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Seminar über gewaltfreie Kommunikation

Von Wölfen und Giraffen

„Von Wölfen und Giraffen - Gewaltfreie Kommunikation als Beitrag zur Pädagogik: Zu diesem Thema veranstaltete das Pädagogische Institut (PI) einen zweitägigen Workshop mit Marshall Rosenberg, der die gewaltfreie Kommunikation in den 60er Jahren in den USA und Kanada begründete. Bis zu 200 Teilnehmer besuchten die einzelnen Veranstaltungen des Seminars - und ließen sich in die Geheimnisse der Wolfs- und Giraffensprache einweihen.

„Warum hast du deine Arbeit nicht gemacht?, so fährt ein Lehrer seinen Schüler in der Wolfssprache an. In der Giraffensprache klingt das deutlich anders: „Ich würde gern verstehen, warum du diese Arbeit nicht gemacht hast. Würdest du es mir erklären? Wenn der Schüler dann brummelt: „Ich hatte eben keine Lust, dann kann der Lehrer in Wolfssprache sagen: „Das ist egal, Aufgabe ist Aufgabe, die muss erledigt werden. Oder er sagts wie die Giraffe: „Du würdest wohl lieber Dinge tun, von denen du glaubst, dass sie wertvoller für dich sind. Ich bin auch nicht begeistert, dass ich dir manchmal Dinge beibringen muss, von denen ich auch nicht weiß, wozu es gut sein soll. Aber wenn wir das nicht tun, dann wird es für dich schwierig, weil du sonst den Abschluss in der Schule nicht bekommst, den du brauchst, um einen Beruf zu finden.

Rosenbergs Methode kann einen Beitrag zu einem menschlicheren Klima an den Schulen leisten und so bessere Lern-Bedingungen schaffen, die wiederum zu besseren Leistungen führen können, meint PI-Leiter Bernhard Jehle. Immer mehr Lehrer suchen nach seiner Erfahrung Wege, ein eher partnerschaftlich geprägtes Verhältnis zu ihren Schülern und deren Eltern zu finden.

„In der Lehrer-Ausbildung bringt uns das niemand bei, sagt Kirsten Bestle, eine der Teilnehmerinnen am PI-Workshop, die am Emil-von-Behring-Gymnasium in Spardorf (Kreis Erlangen-Höchstadt) Englisch und Sport unterrichtet. Sie möchte bei Rosenberg lernen, wie sie ihren Schülern vermitteln kann, dass sie und ihre Bedürfnisse ernst genommen werden. Nach den zwei Tagen weiß sie immerhin: „Wir sind alle Giraffen mit einem Sprachfehler.

Wie kam der heute weltweit gefragte Konfliktmediator Rosenberg auf das Bild von den Wölfen und Giraffen? Dafür gibt es eine einfache Erklärung: Die Giraffen haben von allen Landtieren das größte Herz, und der Wolf gilt als ein Tier, mit dem umzugehen schwierig ist. In manchen Ländern - etwa Serbien oder Bosnien - muss statt des Wolfs die Schlange als Negativ-Figur herhalten.

Doch das ändert nichts an Rosenbergs Botschaft: Wir sind alle so erzogen worden, dass wir die Menschen und das, was sie tun, nach den Kriterien richtig/falsch bzw. gut/schlecht beurteilen. Das hat zu zementierten Strukturen geführt, die nichts mehr mit den eigentlich menschlichen Bedürfnissen zu tun haben. Deshalb müssen wir lernen, so zu kommunizieren, dass die Bedürfnisse wieder im Vordergrund stehen. Die Giraffe kann uns dabei helfen. Ute Wolf

2.3.2005

© NÜRNBERGER ZEITUNG

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